„Bin ich eigentlich gut genug?“ – 5 Tipps, mit denen du das gleich selbst feststellen kannst

Einmal war ich auf einem Konzert. Die eine Band fand ich ziemlich schlecht. Ihre Musik kam mir schrecklich unstrukturiert und zufällig vor, die Sängerin erschien mir verkrampft und schwach. Ich fragte mich, ob die überhaupt wissen, was sie da tun. Gedanklich lehnte ich mich sogar so weit aus dem Fenster das handwerkliche Können dieser Leute anzuzweifeln. Als die Band ihr Set jedoch beendet hatte, standen die Leute am Merchandising schlange. Ich fragte mich, wie das sein konnte und recherchierte. Fand heraus, dass die Band von lang etablierten Musiker*innen gegründet worden war, die eine riesige Fangemeinde mitbrachten.

Den umgekehrten Fall habe ich auch schon erlebt. Wenn ich dastand und den Eindruck hatte, eine der wenigen zu sein, denen die Band gefällt. Dass es mir vorkam, als würden die meisten Leute einfach nicht verstehen, was da auf der Bühne vor sich geht, während ich selbst etwas total Geniales hörte. Sind nun jene Bands, die mir gefallen, „besser“ als die anderen? Nun, für mich natürlich schon. Aber das ist der Punkt: Für mich. Für jemand anderen ist diese andere Band die bessere. Daran zeigt sich deutlich, dass „gut“ subjektiv ist.

Doch, woher wissen wir nun, ob unser Skript, unser Song oder unser Artikel gut ist? An irgendetewas müssen wir uns doch messen, oder? Irgendwie müssen wir ja bestimmen, ob ein Werk veröffentlichungsreif ist, besser in der Schublade bleiben sollte oder noch mehr Arbeit braucht. Deshalb habe ich hier eine Liste mit fünf Möglichkeiten zusammengestellt, wie wir unsere Werke nach eigenen Kriterien beurteilen können.

1) Vergleiche dein Werk mit deinen früheren Sachen

Nimm dir deine Geschichte, dein Projekt – oder einen Teil daraus vor – und vergleiche es mit deinen früheren Schöpfungen. Achte auf handwerkliche, stilistische und inhaltliche Aspekte und betrachte sie vor dem Hintergrund des älteren Projektes. Erkennst du den Unterschied?

2) Beachte, was du dazu gelernt hast

Als Autor*innen und Künstler*innen entwickeln wir uns ständig weiter. Wir interessieren uns für die Sache, also lernen wir. Wahrscheinlich hast du seit deinem letzten Projekt auch jede Menge dazu gelernt. Vielleicht hast du Schreibratgeber gelesen, noch mehr Gesangsunterricht genommen, hundert Tutorial-Videos geguckt oder sonst irgendetwas Interessantes aufgesogen. Möglicherweise hast du das eine oder andere davon schon vor diesem aktuellen Projekt ausprobiert – oder nebenbei.

Nimm dein Projekt und überprüfe, ob irgendetwas von dem, was du gelernt hast, darin eingeflossen ist. Siehst du es? Ja? Super! Das bedeutet nämlich, dass du dein neues Wissen umgesetzt hast und somit schon besser bist als früher.

3) Setze dir ein Ziel, was du mit diesem Projekt erreichen möchtest

Das Ziel kannst du völlig frei bestimmen: einen handwerkliche Technik üben, einen Stil ausprobieren/perfektionieren, diese oder jene Message vermitteln, etwas Inhaltliches dazu lernen … Wenn du das Ziel hast, kannst du dich daran orientieren. Vergiss erst einmal alles andere. Dieses Ziel ist das Wichtigste. Das ist das, was gelingen soll. Wenn du fertig bist, nehme etwas Abstand (dies kann von einigen Tagen bis zu einigen Wochen oder gar Monaten sein) und schaue den Entwurf danach nochmals an. Hast du das Gefühl, dein Ziel erreicht zu haben? Entspricht es ungefähr dem, was du dir bei dem Gedanken an dein Ziel vorstellst? Wenn du nicht sicher bist, hole Feedback von Vertrauenspersonen ein.

4) Führe „buch“ über die Entwicklung des Projektes

Rekapituliere jedes Mal, wenn du an dem Projekt gearbeitet hast, den Stand der Dinge: Wie viel hast du heute gemacht? (500 Wörter geschrieben, zwei Augen gezeichnet, den Refrain deines Liedes aufgenommen?) Dabei spielt es keine Rolle, ob es für dich „viel“ oder „wenig“ war, notiere es einfach ganz sachlich. Immer, wenn du weitergemacht hast.

Notiere auch, was genau du gemacht hast und wie gut es deinem Gefühl nach gegangen ist. Unerwartet in den Flow gekommen? Aufschreiben. Krampfhaft versucht, diese eine Stelle richtig hinzubekommen? Aufschreiben.

Zuletzt notiere die Umstände: Hattest du Zeit oder hast du es kurz zwischendurch noch reingequetscht? War es eher ein „good hair day“ oder ein „bad hair day“? (Das beeinflusst ja bekanntlich unsere ganze Tagesform. ;-)) Was war sonst noch so los in deinem Leben? Ärger im Job, Kind krank, neues Haustier bei dir eingezogen? Notiere alles.

5) Gleiche es mit deinem eigenen Plan ab

Das ist etwas für Leute, die gerne planen. Wenn du weisst, wann du fertig sein möchtest, wie weit du bis wann kommen möchtest oder nach welchen Teilschritte du das Projekt aufteilst, kannst du deine Arbeitssessions damit abgleichen. Du kannst auch planen, immer an bestimmten Tagen zu bestimmten Zeiten etwas zu machen.

Wie liegst du insgesamt in deinem Plan? Bist du sehr weit weg davon oder nahe dran? Wenn du weit weg davon bist – passe den Plan an. Zum Beispiel kannst du jene Momente, in denen du den Plan übertrifftst (du wolltest eigentlich nur eine halbe Stunde, aber du bist total im Flow) nutzen, um jene auszugleichen, in denen es nicht so gut läuft (dann hast du zwar 200 statt 500 Wörter geschrieben, aber dafür hast du ja am Tag zuvor im Flow 1000 geschafft).

(Notiz: Wenn du eine Abgabefrist von aussen hast, z.B. einem Verlag, gestalte deinen Plan so, dass dein eigener Endpunkt einige Wochen vor dem Abgabetermin liegt – so hast du im Notfall noch Pufferzeit).

Bei allen diesen Strategien ist es wichtig, dass du dein Werk während der Beurteilungsphase mit einer gewissen Rationalität betrachtest. Wenn du gerade sehr emotional bist, tue dir zuerst etwas Gutes, um dich ein wenig zu entspannen. Gönne dir genug Abstand von deiner Kunst, Pausen und andere Aktivitäten. So kannst du das Werk mit einem ausgeruhten Auge betrachten. Du wirst schnell feststellen, dass du gar nicht so schlecht bist, wie du denkst.

Um ehrlich zu sein, ich weiss auch nicht, was „gut“ wirklich heisst. Da wir dazu neigen, uns ständig zu hinterfragen und alle möglichen noch so kleinen Fehler in unseren Werken zu finden, werden wir wahrscheinlich nie wissen, wie gut wir wirklich sind. Bleiben wir realistisch: Wir könnten etwas (für andere) Geniales erschaffen und würden immer noch tausend Fehler darin entdecken. Insofern, könnten wir so richtig gut sein, ohne dass wir es wüssten.

Aber anhand der aufgeführten Ideen können wir erkennen, ob wir uns weiterentwickeln. Verbessern. Ob etwas vorangeht. Und so lange etwas vorangeht, sind wir „gut“ unterwegs. Und in gewissen Phasen ist sogar stehenbleiben in Ordnung, aber dazu ein andermal.

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