Der Zweifel und sein produktives Element

Seit einiger Zeit scheint das Thema Zweifel in meiner Bubble besonders präsent zu sein. Vielleicht ist es das aber auch ständig und ich merke es nur nicht. Macht mich das zu einem unsensiblen Pflock? Könnte sein. Möglicherweise ist es auch gar nicht so extrem und es liegt an mir … Und schon sind wir mittendrin, in dem Teufelskreis des Zweifels. Ich kenne jedenfalls niemanden, der nicht immer wieder irgendeinen Grund findet, um an sich selbst oder seiner Kunst zu zweifeln.

Die letzten Wochen kamen mir vor wie die schlimmsten meines Lebens: Ich habe an allem gezweifelt. Ich wusste nicht mehr, ob meine Bücher wirklich Sinn haben, ob sie gut sind, ob dieser Blog hier etwas taugt, ob ich die Bilder meiner Protagonist*innen noch zu Ende malen oder die ganze Idee verwerfen soll, ob ich sonst in meinem Leben am richtigen Punkt stehe, ob ich nicht doch umziehen soll, und ob und wie ich mein kommendes Buch fertigstellen soll. Schon jetzt, noch vor der Veröffentlichung fragte ich mich, ob ich diese oder jene Stelle des Skriptes nicht doch völlig falsch angegangen bin. Ausserdem hatte ich das Gefühl, insgesamt ein völliger Lebensversager zu sein.

Aber Schluss mit Jammern! Lasst uns stattdessen einen genaueren Blick auf die Zweifel werfen. Solche extremen Zweifel wie oben beschrieben, machen uns fertig. Wenn wir uns allem unsicher sind und keine Ahnung haben, wie wir aus diesem überwucherten Labyrinth herausfinden sollen, können wir natürlich auch nicht produktiv sein. Sie fressen unsere ganze Energie auf, wir sind einer negativen Gedankenspirale gefangen und haben keinen Raum mehr für etwas anderes.

Was uns dann noch bleibt, ist die Möglichkeit, zu reagieren oder eben auch nicht. Wir können versuchen, trotzdem an unserer Kunst weiterzuarbeiten und vielleicht, nur vielleicht, zieht sie uns wieder heraus. Vielleicht kommt aber auch nur Müll dabei heraus und wir zweifeln noch mehr. Zudem sind wir die meiste Zeit viel zu fertig, um irgendetwas Sinnvolles zu tun.

Wir können uns aber auch entscheiden, vorerst nichts zu tun. Die negativen Gefühle zulassen und uns die Zeit, die wir so dringend brauchen, nehmen. Alles auf Halt setzen, nur versuchen, zu entspannen, so gut es geht, uns mit schönen Dingen umgeben. Ja, wie jetzt? Stillstand ist doch schlecht? Ja. Solange wir fit sind, ist dies gar keine Frage.

Geht es uns aber schlecht, ist das oft ein Hinweis unserer inneren Stimme (vorausgesetzt, wir sind gesund). Die Fragen, die wir uns stellen, kommen schliesslich nicht aus heiterem Himmel. Irgendwo haben sie einen Ursprung, einen Grund, warum sie entstanden sind. Manchmal sind Zweifel berechtigt und notwendig, damit wir eben nicht weiter auf der Stelle treten. Dann helfen sie uns zu erkennen, welche unserer Ideen und Überzeugungen schädlich sind und fordern uns auf, etwas dagegen zu tun. Dafür jedoch, müssen wir ihnen Raum lassen, um zu sprechen. Wenn wir zuhören, uns nicht davon ablenken, sondern akzeptieren, dass in uns gerade ein Umbruch stattfindet, dringen wir früher oder später zum Kern des Problems vor.

Dabei können sich verschiedene Dinge herauskristallisieren:

  • Wir haben hinderliche Glaubenssätze, die nun hinterfragt werden und die wir gegebenenfalls korrigieren wollen
  • Unser „Warum“ (der Grund für unsere Kunst) ist ungesund oder nicht ausreichend
  • Wir tun etwas nicht für uns, sondern nur für andere
  • Uns fehlt handwerkliches oder fachliches Wissen
  • Die Gedanken sind in Wirklichkeit gar nicht unsere eigenen, sondern erlernt oder adaptiert von Aussagen anderer (Klassiker sind z.B.: „Damit verdienst du aber kein Geld!“, „Wie willst du das machen, wenn du darin keine Ausbildung hast?“, „Laut sein ist unfreundlich und störend.“)

Bestimmt gibt es noch andere Möglichkeiten. Gehe einmal in dich und denk darüber nach: Wann hast du das letzte Mal so richtig übel gezweifelt? Was hast du dabei herausgefunden? Was hast du danach geändert? War das eine eher gute oder eher schlechte Entwicklung? Woran zweifelst du besonders häufig? Was könntest du unternehmen, um die bezweifelte Sache zu verbessern? Wenn du magst, darfst du mir auch gerne in den Kommentaren von deinen Erfahrungen erzählen.

Falls du jetzt den Zeigefinger gegen mich erhebst und sagst, dass es aber nicht so einfach ist: Stimmt. Es ist nicht einfach. Es ist schwierig und mühsam und das Gefühl bleibt bescheiden, das möchte ich nicht kleinreden. Nach meiner Überzeugung führt der Weg aus dem Labyrinth durch das Labyrinth.

Und was ist mit jenem Zweifel, der ständig im Hintergrund herumlungert? Dem „Bin ich gut genug“-Zweifel? Ihr wisst schon, diese Gedanken darüber, ob wir unser Handwerk überhaupt beherrschen, ob wir nicht doch dieses oder jenes eigentlich besser können sollten, ob wir sowas wie unsere Kunst irgendjemandem zumuten können und wer alles besser darin ist und so.

Die schlechte Nachricht ist: Das Gefühl bleibt bescheiden und geht auch nicht weg, jedenfalls nicht dauerhaft (zumindest ist das bei allen, die ich kenne, so).

Die gute Nachricht ist: Auch das hilft uns, weiterzukommen. Stell dir vor, du wüsstest schon alles. Es gäbe nichts an deiner Kunst, was du hinterfragen müsstest, du hast alle deine Tools fixfertig vorbereitet und es ist vollkommen klar, was du als nächstes machst. Wäre das nicht langweilig? Ausserdem würden wir dann die immer gleichen Sachen wiederholen und das würde weder unserem Publikum noch uns selbst Spass machen.

Also: Lass die Zweifel sein, was sie sind. Ein Grund, um noch mehr Wissen zu sammeln, auszuprobieren, Dinge zu ändern und zu verbessern. Ein Ansporn, um sich weiterzuentwickeln.

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