Kann man Inspiration erlernen?

Die kurze Antwort darauf ist: Ja!

Was man nicht erlernen kann, ist das, was ich gerne den „inneren Antrieb“ nenne. Unser „Warum“. Warum wir das tun, was wir tun, was wir damit bezwecken wollen, warum es uns wichtig ist. Warum genau das und nicht etwas anderes. Was es uns bringt, was wir dadurch in die Welt bringen wollen. Das ist unser Grund, unser Sinn, das, was unsere Kunst für uns wichtig macht. Das, was uns weitermachen lässt.

Das liegt meistens irgendwo in der Vergangenheit im Halbdunkel, an das wir uns nicht mehr so genau erinnern. Dort wurde unsere Kreativität aktiviert. Wir haben begonnen, zu schreiben, zu malen, zu musizieren oder Dinge zu basteln und wissen gar nicht mehr so genau, was der ursprüngliche Auslöser war. Unser „Warum“ kann sich im Laufe der Zeit verändern, aber sofern eines da ist, haben wir die Basis für alles andere schon.

Womit einige von uns aber trotzdem immer wieder kämpfen, ist die Inspiration. Werde ich neue Ideen haben, wenn ich mit meinem aktuellen Werk fertig bin? Werde ich genug Ideen haben, um das eine Weile lang zu machen? Werde ich rechtzeitig wissen, wovon mein nächstes Werk handeln soll? Die lange Antwort ist: Wir können lernen, Inspiration zu kultivieren.

Wie du bestimmt weisst, ist Inspiration überall. In jeder Person, der wir begegnen, jeder Situation, die wir erfahren, jedem Wissen, das wir uns aneignen, ja manchmal sogar in völlig zufälligen, vermeintlich unwichtigen Eindrücken wie dem Anblick eines kaputten Stuhls oder von Wasser in einem Glas. Wir müssen nur darauf achten. In gewisser Weise tun wir das bereits, indem wir diese Dinge bewusst betrachten und nicht einfach nur an uns vorbei ziehen lassen.

Doch wir können das noch weiter führen. Wir können unser Gehirn, unseren Blick, ja unser ganzes Wesen „darauf abrichten“, dieses Bewusstsein noch mehr zu schärfen. Wir können unseren Fokus einstellen, indem wir die Dinge nicht nur wahrnehmen, sondern aktiv mitdenken und uns immer wieder fragen: „Eignet sich das als Thema? Kann ich hieraus etwas für mein Schaffen mitnehmen?“ Damit stellen wir alles vor den Hintergrund unserer Kunst und werden erkennen, wenn es zusammenkommt.

Im ersten Moment klingt das ein wenig verrückt, als würde man das Leben nur als Mittel zum Zweck benutzen. In Wirklichkeit ist das Leben aber einfach das, was es ist, und kümmert sich nicht darum, was wir damit machen oder auch nicht. Wieso also nicht gezielt einen Nutzen daraus ziehen? Unsere Kunst wird wiederum einen Nutzen für andere Menschen haben und somit tun wir nichts, ausser eine Verlagerung vorzunehmen. Von unserer eigenen Faszination und Unbegreiflichkeit zu etwas Greifbarem für andere.

Aber Schluss mit Poesie, denn es drängt sich natürlich noch eine Frage auf: Ist das nicht anstrengend? Stresst man sich damit nicht? Nun, anfangs erscheint es einem vielleicht so. Wenn man beginnt, die Inspiration zu suchen, statt auf sie zu warten, braucht man dafür natürlich mehr Energie als zuvor. Aber wie häufiger wir die Dinge in einem Zusammenhang mit unserer Kreativität sehen, umso eher werden sie sich damit verbinden und umso einfacher wird es. Irgendwann müssen wir nichts mehr überlegen, sondern nehmen es automatisch wahr, wenn sich etwas in einem Werk weiterverarbeiten lässt. Jeden Tag, bei allem, immer und immer wieder.

Es automatisiert sich. Bekanntlich bildet unser Gehirn „Schnellstrassen“ für Dinge, die wir immer wieder tun. Wenn wir etwas Neues lernen entsteht eine Verbindung zwischen den Nervenzellen. Wiederholen wir es, wird diese Verbindung stärker, damit die elektrischen Impulse, die bei der Ausführung fliessen, das ungehindert tun können. Somit fällt uns etwas, das wir oft machen, immer leichter.

Für uns heisst das: Wie häufiger wir unsere Inspiration bewusst erwecken, umso wacher wird sie bleiben, umso schneller klinkt sie sich ein, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. So läuft das alles irgendwann nur noch im Hintergrund ab, wir haben „unbewusst“ bewusste Inspiration bei allem, was uns so begegnet. Wir müssen nicht mehr überlegen, wir müssen uns nicht anstrengen. Auf der Inspirationsstrasse in unserem Gehirn herrscht Dauerverkehr.

Damit die vielen Autos aber nicht einfach nur hin und her sausen und uns Denkkapazität rauben, müssen wir natürlich auch noch üben, sie zu einem Ziel zu bringen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann „automatic“-Übungen machen, also einfach planlos umsetzen, was einem gerade so durch den Sinn geht (das ist übrigens auch sehr geeignet, um in einen Flow zu kommen). Es gibt sogenannte „Prompts“ für fast alles, das sind kleine Inputs mit Aufgaben, die ein bestimmtes Thema oder Motiv beinhalten. (Man kann auch eigene erfinden, wenn einem das lieber ist). Man kann die Ideen in Moodbaords, Mindmaps oder Notizbüchern festhalten. (Ich funktioniere z.B. sehr visuell und habe immer Projektpinnwände auf Pinterest, in die zuerst einmal einfach alles reinkommt, was eventuell zu dem Projekt passen könnte). Welche Methode für einen die beste ist, kann man nur herausfinden, in dem man durchprobiert. Aber ich kann versprechen: Es lohnt sich!

Was dann noch passieren kann, ist, dass das Leben uns unseren Antrieb, unser „Warum“ vermiest. Oder verändert. Aber dazu ein anderes Mal.

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